Projekttag Grenzen überwinden

„Grenzen überwinden“ – UNESCO-Projekttage an der Clemensschule
Am 10. und 11.2. 2026 fanden an der Clemensschule die Projekttage zum diesjährigen UNESCO-Leitthema „Grenzen überwinden“ statt. Ein spannendes Thema, war der einheitliche Tenor. Gemeinsames Brainstorming am Rande von Lehrerkonferenzen und bei Begegnungen auf den Fluren beleuchtete zuerst einmal die vielen Facetten, mit denen man sich dem Thema nähern konnte. Persönliche Grenzen, wie damit einsteigen? Basierend auf den Fragen „Kennst du deine Grenzen? Kannst du dich abgrenzen? Kannst du deine Bedürfnisse klar äußern? Respektierst du die Grenzen anderer?“ befassten sich die Tigerkinder mit ihren eigenen individuellen Stärken und erkannten, wie wertvoll ihre eigenen Befähigungen auch dann sind, wenn sie in und für die Klassengemeinschaft eingesetzt werden. Besonders berührt waren die Kinder von dem Legekreis „Wir sind eine Welt!“ (zaubereinmaleins.de). Er zeigt Menschen in all ihrer Vielfalt und Besonderheit und führte in der Klasse der Erst- und Zweitklässler zu offenem und sehr gewinnendem Austausch über die Einzigartigkeit jedes Menschen. Die Löwenklasse beschäftigte sich mit „Kinderspielen rund um den Globus“ (Chocano, Zita, Verlag Lernbiene). In Anbetracht der vielen Herkunftsländer, aus denen Kinder unsere Schule besuchen, erlebten die
Schülerinnen und Schüler ein fröhliches Miteinander im verbindenden Spiel ohne die oft einschränkende Sprachbarriere. Denn „Spiele sind das ideale Mittel zur
Integrationsarbeit“ (Chocano, Zita). Die Löwen gewannen so außerdem auch Einblicke in das Leben und die Lebensumstände, wie sie in anderen Ländern vorherrschen, und dass es nicht selbstverständlich ist, groß zu werden und dabei Zeit für Spiele zu haben.
Die Zebra- und die Pinguinklassen staunten bei dem Film „Sachgeschichten: WeltSchul-Maus des WDR“, wie anders der Schulalltag in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten verlaufen kann. Ralph Caspars besuchte weltweit Schulen und sprach z. B. mit Kindern in Island, England, Afrika, Polen, Brasilien. So lernten die Zebras und Pinguine exemplarisch, dass die Schülerinnen und Schüler in Brasilien in Schichten unterrichtet werden. Die eine Hälfte der Kinder hat morgens Unterricht, die andere nachmittags. Oder dass die Kinder in Japan jeden Tag ihre Klassenzimmer selbst
säubern. Alle helfen zusammen, wenn erst gefegt und dann noch feucht aufgewischt wird. In England gibt es als Fach den „Theaterunterricht“, bei dem es sogar
Hausaufgaben gibt. Freust du dich über eine 1 bei einer Klassenarbeit? In Polen wären die Kinder traurig, denn dort ist die beste Note die „6“. Spannende Besonderheiten also, die die Projekttage in diesen Klassen zu einem Vergleich bewogen und lehrreiche Einblicke über Grenzen hinweg boten. Eine ganz andere Idee zu den Projekttagen fand in der 3 b ihre Umsetzung. Ausgehend von dem KIKA-Film „Grenzgeschichten: Niederlande und Deutschland – Mieke und Martines mit einem Fuß in Holland“ behandelte dieser Beitrag das Leben von Familien an einer Landesgrenze mit ihren Vor- und Nachteilen und verwies dabei auf seltene, aber vorhandene Ressentiments aus vergangenen Zeiten. Außerdem stellten die Kinder fest, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus 17 verschiedenen Herkunftsländern kommen und die dazu erstellte Wimpelkette der Landesflaggen deshalb eine gehörige Länge aufzeigt. Den Abschluss bildete das Basteln von Übersetzerscheiben mit einem deutschsprachigen Gruß, der sich in niederländisch, dänisch, griechisch, spanisch und englisch übersetzen ließ. Die 3a hatte sich eines ganz besonderen Themas angenommen. Wissend, dass interreligiöser Dialog gerade in der heutigen Zeit ein Brückenbauer ist und Grenzen überwindet, machten sich die Drittklässler gut vorbereitet auf zu einer Führung in die Synagoge nach Münster. Sie lernten dort in feierlichen Räumlichkeiten die Geschichte der jüdischen Gemeinde sowie die Grundlagen der jüdischen Religion mit Brauchtum und Tradition kennen. Am zweiten Projekttag suchten die Drittklässler eine Erinnerungstafel in Hiltrup am Klosterwald auf, die Kaplan Bernhard Poether gewidmet ist. Sein Einsatz für Menschlichkeit und sein Protest gegen die Ungerechtigkeiten des NS-Regimes brachten ihm den Tod. Die Schülerinnen und Schüler erkannten an diesem Schicksal, wie wichtig und mutig, aber auch zeitlos es ist, für seine Überzeugungen einzutreten. Ein anderes schwerwiegendes Thema packte die Klasse 4 b an. Sie tauchte in die Zeit von 1949 bis 1990 ein, in der Deutschland durch eine Grenze getrennt war. Die Kinder erfuhren, dass die Menschen in der DDR nicht frei leben und nicht frei wählen konnten. Dies führte zu
vielen Gängelungen. Manche Menschen wollten dem entfliehen und mussten dafür schlimme Konsequenzen spüren. Die in der Klasse entstandenen Poster zeigen,
teilweise beklemmend, die geschichtliche Dimension und die Unterschiede des Lebens in der BRD und DDR. Sie lassen auch heute noch darüber staunen, dass das Ende dieses 2-Staaten-Systems durch eine friedliche Revolution herbeigeführt wurde. Die Klasse 4 a beschäftigte sich geografisch mit den Grenzen auf unserem Globus. Neben einem Europa-Leporello lag der Schwerpunkt vor allem auf dem Kennenlernen der Kontinente. Es entstanden sorgsam erstellte Plakate, in denen die einzelnen Länder und ihre Besonderheiten zur Geltung kamen. Der ein oder andere einstudierte internationale
Tanz ließ die Schülerinnen und Schülern auf ganz praktische Weise den Charakter und Temperament eines Landes erspüren. Bei einem internationalen Buffet lernten die Kinder die kulinarischen Gewohnheiten der Länder kennen. Die Kinder der UNESCO-AG schließlich hielten bei einigen Bildern und Beschreibungen den Atem an, die zeigten, auf welch abenteuerliche und teilweise richtig gefährliche Schulwege sich manche Kinder begeben müssen, um lernen zu dürfen.
„Grenzen überwinden“, dazu gehört oft Mut, aber auch Neugier und Offenheit. Die Vielfalt, mit der diese Projekttage gefüllt waren, hat alle an der Clemensschule berührtund eine Weltbeziehung hergestellt, die in einer UNESCO-Projektschule ihre Wirkung nicht verfehlt und hoffentlich entsprechende Haltungen und die Erkenntnis transportiert, nämlich dass nur das Miteinander und die Akzeptanz des Anderen der Kitt für eine lebenswerte Zukunft ist. Als besonders berührend sei zum Schluss noch erwähnt, wie bemerkenswert gut die Annäherung an wirklich schwere Themen gelang und ich danke den Kolleginnen und Kollegen für dieses Füllhorn an gelungenen und kind- und altersgerechten Umsetzungen im Grundschulbereich.